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Starkes Wachstum ist das „Hauptproblem“

Anlagennotstand der Versicherer lässt die hannoversche Finanzfirma Caplantic florieren

VERÖFFENTLICHT IN HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (am 27.03.2017)
VON ALBRECHT SCHEUERMANN

Hannover. Die erst vor fünf Jahren gegründete kleine hannoversche Finanzfirma ist nur Branchenexperten bekannt – aber sie wickelt inzwischen Geschäfte im Milliardenvolumen ab und expandiert rasant: Jetzt hat Caplantic Alternative Assets neben Köln eine weitere Niederlassung in Hamburg eröffnet. Man wolle näher am Kunden sein, hieß es zur Begründung. Hamburg sei nicht nur ein Zentrum der maritimen Wirtschaft, sondern auch ein wichtiger Standort für Investmentfirmen.

Caplantic ermöglicht Versicherungen, Pensionskassen und anderen Investoren die Geldanlage in sogenannte alternative Assets – also Vermögenswerte, die nichts mit herkömmlichen Zinsanlagen wie Staatsanleihen zu tun haben. Zum Beispiel geht es dabei um Kredite oder Beteiligungen in Infrastruktur- oder Energieanlagen, Schiffe oder Flugzeuge.

Die Idee bei der Gründung von Caplantic war, das in Jahrzehnten angesammelte Know-how der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) zu nutzen, um anderen Investoren den Einstieg in Finanzierungen zu ermöglichen, die bisher eher eine Sache der Banken sind. Dies wird gerade für eher konservative Investoren wie Versicherungen zunehmend wichtig, weil sie mit ihren traditionellen Geldanlagen wegen der Minizinsen am Kapitalmarkt immer weniger verdienen.

Allerdings fehlt ihnen meist die nötige Erfahrung bei den neuartigen Kapitalanlagen. Zudem gibt es strenge Vorschriften der Aufsichtsbehörden, die allzu riskante Investitionen verhindern sollen. Caplantic hilft den Investoren mit ausgefeilten Modellen für das Risikomanagement, diese Hürden zu überwinden.

Die Nord/LB wollte mit der Caplantic-Gründung im Jahr 2012 auch eigene Probleme lösen: Schärfere Eigenkapitalvorschriften zwingen die Landesbank dazu, ihr eigenes Kreditgeschäft in Grenzen zu halten. Da bietet es sich an, andere Geldquellen für große Projekte anzuzapfen. Anfangs war die Nord/LB einziger Gesellschafter von Caplantic, später stießen das zur Oetker-Gruppe gehörende Bankhaus Lampe sowie der Versicherungskonzern Talanx dazu.

Aus dem kleinen Büro in Hannover mit einer Handvoll Spezialisten ist eine mittelständische Firma mit 40 Mitarbeitern geworden. Die Umsätze steigen durchschnittlich um mehr als 30 Prozent pro Jahr. Das Volumen der mithilfe von Caplantic abgewickelten Transaktionen ist inzwischen auf 18 Milliarden Euro geklettert. „Unser Hauptproblem ist es, das starke Wachstum zu managen“, sagt Geschäftsführer Michael Schwalba. So suche man „händeringend“ geeignetes Personal. Der Erfolg lockt auch Investoren an, die auf die hannoversche Firma selbst ein Auge geworfen haben. „Die Altgesellschafter sind grundsätzlich offen dafür, auch neue Partner an der Idee zu beteiligen.“