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NORD/LB und Talanx schließen Bündnis

Niedersachsens Finanzriesen arbeiten bei Finanzierung von Infrastrukturprojekten zusammen

HANNOVER. Die zwei größten Finanzkonzerne in Niedersachsen rücken enger zusammen. Der Versicherungskonzern Talanx will künftig bei der Geldanlage verstärkt mit der Norddeutschen Landesbank (NORD/LB) zusammenarbeiten. Dabei geht es um sogenannte alternative Anlagen jenseits der üblichen Zinspapiere wie Pfandbriefe, Schuldscheindarlehen oder Staatsanleihen. Dies ist auch eine Reaktion auf das Zinstief, das den Versicherern das Leben zunehmend schwer macht.

Talanx ist deshalb mit 45 Prozent bei dem Dienstleister Caplantic Alternative Assets eingestiegen. Den gleichen Anteil hält die NORD/LB. Zudem ist das Bielefelder Bankhaus Lampe mit 10 Prozent beteiligt. Die 2013 von der NORD/LB gegründete Firma betreut bereits Finanzierungen in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Flugzeuge, Schifffahrt, Immobilien und Unternehmen im Wert von 10 Milliarden Euro. Jetzt soll auch das Geschäft mit Private Equity, also Unternehmensbeteiligungen, ausgebaut werden.

Über Caplantic holt die NORD/LB andere Investoren wie Versicherungen bei solchen Geschäften der Bank mit ins Boot. Aufgabe der Firma ist die Analyse und Risikoüberwachung. Sie fungiert als Dienstleister für die Investoren. Caplantic soll nun laut NORD/LB "zu einem in Deutschland führenden Anbieter für Alternative Asset Management und Financial Solutions" ausgebaut werden.

Hintergrund der Kooperation ist die verschärfte Anlagenot bei den Versicherern. Sie investieren überwiegend in sehr sichere Anlageklassen, die jedoch nur noch extrem geringe Renditen abwerfen. Deshalb ist Talanx schon seit einiger Zeit dabei, den Anteil der Alternativanlagen, die bei überschaubarem Risiko deutlich mehr Ertrag bringen, zu erhöhen. Dazu gehören etwa Windparks und Leitungsnetze, Gewerbeimmobilien oder Unternehmensbeteiligungen.

Durch die Zusammenarbeit mit der NORD/LB sichert sich Talanx auch das Know-how der Bank bei solchen Finanzierungen. Umgekehrt bringe die Talanx ihre langjährige Erfahrung im Bereich Private Equity ein, erläuterte Thomas Mann, Geschäftsführer der Talanx Asset Management. Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern wolle sein eigenes Geschäft im Bereich der Alternativanlagen unabhängig davon weiter betreiben. Caplantic sei aber eine wichtige Ergänzung. Pro Jahr könnten bei dem Konzern rund eine Milliarde Euro in solche Anlagen fließen.

Für die NORD/LB dagegen ist entscheidend, dass sie durch die Beteiligung fremder Investoren an Finanzierungen ihre Risiken verringert und somit ihr Eigenkapital schont. Dadurch kann sie größere Geschäfte betreiben als im Alleingang. Laut NORD/LB-Kapitalmarktvorstand Hinrich Holm ist die weltweite Nachfrage nach Geld für lnfrastrukturprojekte speziell im Bereich Windenergie groß. Solche Finanzierungen seien aber sehr komplex. Die Zusammenarbeit mit Versicherungen gebe der Bank die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet zu vermarkten, "ohne die eigene Bilanz zu belasten". Für die Bank sei die Kooperation mit Talanx von strategischer Bedeutung.

Quelle: Hannoversche Allgemeine