Presse Clippings

Zurück

Mit Brücken und Straßen solide verdienen

Weltweit steigen die Investitionen in die Infrastruktur. Während es in westlichen Staaten darum geht, Straßen oder Flughäfen zu erneuern oder auszubauen, steht in Schwellenländern der Aufbau im Fokus. Gute Chancen für Investoren bietet Asien.

Veröffentlicht in der  Handelsblatt FINANZBERATER EDITION am 06. Juni 2018

Jürgen Hoffmann Hamburg
Es war eines der größten Wahlversprechen Donald Trumps: Eine Billion US-Dollar wollte der Präsident in den Bau und die Sanierung von Straßen, Schienen, Brücken, Flughäfen, Telefon- und Energienetzen seines Landes stecken. Mit den staatlichen Investitionen in die Infrastruktur will er die USA fit machen für die Zukunft. Die von Trump großspurig angekündigten Infrastrukturprogramme musste er jedoch immer wieder verschieben. Mittlerweile hat der Immobilienmogul im Weißen Haus zugeben müssen, dass der US-Haushalt so viel Geld nicht zur Verfügung stellen kann. Lediglich knapp 200 Milliarden US-Dollar könne er über zehn Jahre investieren, den Großteil des geplanten 1,5-Billionen-Dollar-Pakets sollen private Investoren übernehmen.

 

Privates Kapital gefragt

Die USA sind kein Einzelfall. Weltweit können Staaten Investitionen in Infrastrukturprojekte nicht selbst finanzieren. In Europa, Asien und Afrika, insbesondere in Ländern mit hohem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, stehen in den nächsten Jahrzehnten enorme Investitionen in die Verkehrs-, Versorgungs-, Energie und Telekommunikationsnetze an. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und des Forschungsinstituts Oxford werden sich diese Ausgaben allein bis 2025 weltweit auf 78 Billionen US-Dollar summieren. Deshalb öffnen immer mehr Regierungen den Infrastrukturmarkt für institutionelle und private Investoren. Deren Interesse ist groß, denn Infrastrukturinvestitionen weisen ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil auf.

 

 

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Projekten unterscheiden: Zum einen handelt es sich um neue Infrastruktur, bei der sich die Einnahmen nicht genau vorhersagen lassen. Sie ähneln Investitionen in Private Equity. Der Fokus solcher Engagements liegt auf Schwellenländern.

Zum anderen geht es um Straßen oder Flughäfen, bei denen das Risiko geringer ist, weil sie eine stabile Verzinsung versprechen. Der Schwerpunkt solcher Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen liegt in der westlichen Welt. Feste Einnahmen wie Mautgebühren für Tunnels und Brücken oder Einspeisevergütungen zum Beispiel bei Erneuerbare-Energie-Anlagen sorgen für einen sehr gut prognostizierbaren Zahlungsfluss über einen meist absehbaren Zeitraum. Der steigt sogar, wenn die Nachfrage, etwa nach kostenpflichtigen Fahrten auf Mautstraßen, steigt.

So sind höhere Renditen als bei klassischen Rentenanlagen möglich, ohne dass Investoren größere Risiken eingehen müssen. Bei öffentlichen Transport- und Versorgungsunternehmen kommt hinzu, dass sie Entgelte an die Inflationsentwicklung anpassen können. Damit stellt diese Assetklasse auch eine Absicherung gegen Geldentwertung dar. Infrastrukturanlagen
sind zudem langfristige Vermögenswerte, die nur einem geringen Wertverlust und Betriebsrisiko unterliegen.

Diese Argumente und die Suche nach stabilen Renditen haben dazu geführt, dass Infrastrukturprojekte derzeit hoch im Kurs stehen. „Das liegt vor allem am Niedrigzinsumfeld“, erklärt Michael Schwalba, Geschäftsführer des Finanzdienstleistungshauses Caplantic. Das Unternehmen bietet Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Alternative Assets, Private Equity und Financial Solutions an.

Nachdem der Nachfrageboom bei Immobilien die Preise nach oben getrieben hat und Erneuerbare-Energien-Projekte nicht mehr von festen Einspeisevergütungen profitieren, schauen die Investoren aktuell verstärkt auf Projekte, die sich um den Bau oder die Sanierung von Brücken, Tunnels, Straßen oder Häfen drehen.

 

Nischen bieten Chancen

Eigentlich passt diese Assetklasse nicht zum klassischen Anlageverhalten deutscher Pensionsfonds oder Versicherungen, die in der Vergangenheit lieber zu Staatsanleihen gegriffen haben. Doch das Zinstief hat zu einem Umdenken geführt: Großinvestoren wie Allianz oder Munich Re investieren schon länger in solche Projekte. Besonders spannend sind derzeit Eisenbahnprojekte.

Weitere alternative Investments bieten einzelne Flugzeugklassen und Airports in süd- und osteuropäischen Ländern: „Wenn ein Flughafen erst einmal etabliert ist und floriert, fließen die Gelder relativ sicher“, betont Schwalba. Auch den Flugzeugsektor in Asien schauen sich die Experten von Caplantic an. Schließlich richten sie ihren Blick auf die Wasserversorgung. Wer erfolgreich in Infrastruktur investieren möchte, muss sich in Nischen umsehen.

Als Instrumente für private Anleger, die in Infrastruktur investieren wollen, kommen aktiv gemanagte Aktienfonds infrage. Ein zentraler Vorteil: Hier können Anleger schon mit kleinen Beträgen in einen Korb von Infrastrukturunternehmen investieren. Außerdem können sie jederzeit Anteile verkaufen. Dritter Pluspunkt: Der Anleger profitiert von der Erfahrung des Fondsmanagements.

Die Auswahl an Aktienfonds ist groß – einige investieren weltweit, andere nur regional. Der Amundi Equity India Infrastructure beispielsweise ist der einzige reine Länderfonds. Er steckt mindestens zwei Drittel seines Vermögens in Aktien von indischen Unternehmen, die im Infrastruktursektor tätig sind. Bei der Zusammensetzung nach Branchen fällt der hohe Industrieanteil von fast 30 Prozent auf, Grundstoffe sind mit rund 15 Prozent, zyklische Konsumgüter mit fast 14 Prozent vertreten. Die Fünf-Jahres-Rendite per annum: 15,1 Prozent (siehe Tabelle).

Zu den größten Fonds der Assetklasse gehört der First State Global Listed Infrastructure Fund mit einem Volumen von 2,2 Milliarden Euro. Er zählt mit einer jährlichen Durchschnittsrendite von 9,92 Prozent in den letzten fünf Jahren zu den Top-drei-Performern. Der Fonds investiert weltweit in Aktien etwa des australischen Mautstraßen-Betreibers Transurban Group. Direktbeteiligungen an Projekten nimmt er nicht vor. Aktuell sind rund 15 Prozent des Gesamtkapitals im Bereich Erdöl- und Erdgastransport, knapp elf Prozent in den Transportsektor investiert.

Die erfolgreichste Historie der Infrastrukturfonds in den letzten fünf Jahren weist der BZ Fine Infra A EUR auf. Der von einem Team der BZ Bank gemanagte Fonds investiert in Aktien von Unternehmen, die im Bereich Infrastruktur und Versorgung tätig sind. Dazu gehören Energie und Wasserversorger, Entsorger, Autobahnen, Flug- und Seehäfen, Eisenbahngesellschaften und auch Firmen, die wichtige Zuliefererdienste erbringen.

Ein weiteres in den letzten fünf Jahren gut gelaufenes Produkt ist der CS Infrastructure Equity Fund. Das Anlageuniversum umfasst Unternehmen, die Einrichtungen und Dienstleistungen für den Unterhalt und die Entwicklung moderner Infrastrukturen bereitstellen, sowie Lieferanten von Infrastrukturprodukten und -dienstleistungen. Der DNCA Invest Infrastructure Life Class investiert mindestens zwei Drittel seines Vermögens in Aktien von Unternehmen, deren Firmensitz in Europa ist oder die überwiegend im europäischen Infrastruktursektor tätig sind.

Berater müssen wissen: Eine gründliche Auswahl der Titel ist unverzichtbar. Wichtig ist, in welchen Branchen und Regionen ein Fonds investiert, denn die Rahmenbedingungen variieren stark. So herrschen nicht überall sichere politische und juristische Verhältnisse. Sie können sich schnell ändern.

Wer nicht in Aktienfonds, sondern lieber direkt investieren möchte, hat eine weniger große Auswahl. So ist die ThomasLloyd Group das einzige Investmentunternehmen hierzulande, das auf Infrastrukturprojekte in Asien spezialisiert ist. Solche Häuser benötigen besondere Branchen- und Technologieexpertise und regionale Kenntnisse. Zu den Projekten, die die ThomasLloyd Group in den vergangenen Jahren finanziert hat, gehören unter anderem Solarkraftwerke und Biomassekraftwerke auf den Philippinen.

Erneuerbare-Energien-Kraftwerke sind in Asien verhältnismäßig kostengünstig, vielerorts ohne staatliche Subventionen wettbewerbsfähig und aufgrund kurzer Bauzeiten schnell verfügbar. Aktuell bietet das Investmenthaus ThomasLloyd Privatanlegern mehrere Fonds und Anleihen mit verschiedenen Rendite- und Risikoprofilen, Laufzeiten und Mindestanlagebeträgen an.

 

Großer Energiebedarf

Besonders attraktiv erscheint der asiatische Energiesektor: Der Kontinent mit 4,3 Milliarden Menschen hat riesigen Energiebedarf. Laut der Internationalen Energie-Agentur, die gerade ihre Prognosen für den Ökostrom- Sektor angehoben hat, ist der Energiebedarf der zehn Länder im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) in den vergangenen 15 Jahren um 60 Prozent gewachsen. Für Fachleute keine Überraschung. „Die Kraftzentren der Weltwirtschaft verschieben sich in Zukunft weiter nach Asien“, betont Norbert Winkeljohann, Deutschland-Chef von PwC.

Die Asian Development Bank erwartet, dass der Anteil Asiens am weltweiten Energieverbrauch bis 2035 von heute 35 auf über 50 Prozent steigen wird. Das erfordert hohe Investitionen, denn derzeit werden noch 85 Prozent der verbrauchten Energie mit importierten fossilen Rohstoffen erzeugt – teuer und umweltschädlich. Langfristig günstiger´sind Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse, die in Asien im Übermaß zur Verfügung stehen.

Dass der Infrastrukturmarkt in Asien zu den weltweit attraktivsten Wachstumsmärkten zählt, liegt an relativ verlässlichen Rahmenbedingungen. Bei Erneuerbare-Energien-Projekten zählen dazu die Verfügbarkeit der Ressourcen, eine hohe Wirtschaftlichkeit, der schnelle Bau neuer Kraftwerke, die dezentrale Einsatzfähigkeit und die Nachhaltigkeit.

Mit Infrastruktur stehen die Chancen gut, in stabile, von Konjunktur und Kapitalmarkt weitgehend entkoppelte Sachwerte mit planbaren und attraktiven Renditen bei kalkulierbarem Risiko zu investieren.