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Lukrative Luftfahrt

In Zeiten von Magerzinsen versprechen Investments in Flugzeuge attraktive Renditen. Welche Optionen professionellen Anlegern dabei zur Verfügung stehen

 

Veröffentlicht in der  €uro am Sonntag am 18. Juni 2018

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld stellt institutionelle Investoren vor große Herausforderungen: Investments in liquide Schuldtitel liefern unzureichende oder sogar negative Renditen. Eine stärkere Gewichtung traditionell renditereicherer Anlageformen wie Aktien scheint in Zeiten wiedereinsetzender Volatilität riskant. Die Suche nach alternativen Anlageformen ist daher unumgänglich.

Der Weg der Direktinvestition in Wohn- und Geschäftshypotheken, den deutsche Versicherungsinstitute bereits vor Jahren eingeschlagen haben, war nur der erste Schritt. Durch erhebliche Investitionen in Know-How und Ressourcen konkurrieren sie heute direkt mit Banken bei der Strukturierung und Finanzierung von Projekten. Die für die breite Öffentlichkeit zunächst nur im Retailbereich spürbare Disintermediation des Finanzsektors macht also auch vor klassischen Geschäftsbereichen von Investmentbanken und Spezialfinanzierern nicht halt.

Der Sektor der Flugzeugfinanzierungen ist in Europa von dieser Entwicklung bisher weitgehend unberührt geblieben. Hier beherrschen bilaterale Finanzierungen durch Banken den Markt. Ganz anders sieht die Situation in den USA aus. Dort gehören kapitalmarktnahe Finanzierungsformen von Flugzeugen, etwa durch sogenannte Enhanced Equipment Trust Certificates, längst zum Standard. In Europa sind vergleichbare Instrumente wenig etabliert, was den Markteintritt für deutsche Investoren enorm erschwert. Die große Marktdurchdringung und langfristig gute Performance der Instrumente in den USA legen jedoch nahe, dass die Investorengemeinde diesseits des Atlantiks den Banken nicht so leicht das Feld überlassen sollte. Eine sinnvolle Alternative zum Aufbau teurer Direktanlage- bzw. Finanzierungsabteilungen können etwa
Investitionen in professionell verwaltete Spezialfonds sein.

Institutionelle Anleger haben dabei verschiedene Optionen. Grundsätzlich lassen sich Anlagen in Eigenkapital — etwa Aktien von Fluglinien — und Fremdkapital unterscheiden. Auf der Fremdkapitalseite können Investoren etwa auf Alternative Asset Funds setzen, die Flugzeuge finanzieren und an Fluggesellschaften vermieten („Operating Lease“). Ebenso kann die Fluggesellschaft selbst mit dem Flugzeug als Sicherheit finanziert werden („Finance Lease“). Unabhängig davon, für welche Variante sich der Anleger entscheidet, sollte er eine klare Meinung zum Flugzeugtyp haben.

Know-how ist der Schlüssel zum Investment-Erfolg

Generell sind mittelgroße Flugzeugtypen (sogenannte „Narrow Bodies“) liquider als große. Sie bieten daher eine höhere Sicherheit in Bezug auf eine mögliche Veräußerung des Flugzeuges, etwa in einer Verwertung. Die Expertise des Fondsmanagers ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Dies gilt auch, um die Qualität der Fluggesellschaft zu bewerten — insbesondere ihre Zahlungsfähigkeit ist entscheidend. Nur im Nichtzahlungsfall der Fluggesellschaft werden eine Verwertung oder eine Neuvermietung zum Thema.

In der Schiffsfinanzierung kriselte es indes zuletzt bei einigen Schiffsklassen. In der Vergangenheit waren etwa Containerschiffe durch eine deutliche Wette auf den zukünftigen Schiffswert gekennzeichnet („Asset Play“). Im Bereich
der Flugzeuge steht die Wette auf den zukünftigen Wert der Maschine aber weniger im Fokus als die Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers oder der Fluggesellschaft. Diese solidere Variante der Finanzierung ist im Flugzeugbereich seit jeher üblich. Heutige Finanzierungsstrukturen in der Schifffahrt weisen inzwischen eher diesen Fokus auf als die Asset-Play-Variante.

Marktseitig hilft es, dass es im Wesentlichen mit Airbus und Boeing nur zwei renommierte Flugzeughersteller gibt. Andere Hersteller haben dieses Niveau bisher nicht erreicht, nicht zuletzt wegen der hohen Sicherheitsanforderungen. Die Angebotsseite wird so auf natürliche Weise limitiert, größere Überhitzungen sind bislang ausgeblieben. Der Flugzeugmarkt bietet eine attraktive Alternative mit guten Wachstumschancen. Für Investoren, die über wenig Industrieerfahrung verfügen, eignen sich mittelbare Wege wie Fonds.

Matthias Korn, Leiter Financial Solutions, Caplantic 

 

Matthias Korn ist Diplomwirtschaftsinformatiker der TU Braunschweig. Er ist seit 2012 bei Caplantic und war von Anfang an am Aufbau der Firma beteiligt. Die Caplantic GmbH ist ein Joint Venture der NORD/LB, der Talanx AG und des Bankhaus Lampe. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Alternative Assets, Private Equity und Financial Solutions.